1 EINLEITUNG
Magnetische Lagerungen werden überall dort eingesetzt, wo eine berührungsfreie und damit reibungs- und
schmiermittelfreie sowie verschleiß- und verlustarme Lagerung gefordert ist.
Supraleitende magnetische Lager (SMB) sind passive Lager bestehend aus Hochtemperatur-Supraleitern (HTSL) und
Permanentmagneten (PM) und können wie aktive magnetische Lager (AMB) sowohl für rotierende Wellen als auch zum
Tragen und Führen von Maschinenteilen oder Fahrzeugen genutzt werden. Im Gegensatz zu AMB sind SMB eigenstabil, es
wird also für den Schwebezustand keine Regelung benötigt. Dieses Verhalten trägt auch zu den
Fail-Safe-Eigenschaften eines SMB bei. Da bei einem Energieausfall und damit dem Wegfall der Kühlung bedingt durch
die Wärmekapazitäten des Lagers keine sprunghafte Erwärmung der HTSL und damit der plötzliche
Verlust der Tragfähigkeit eintritt, verbleibt bis zum Überschreiten der kritischen
Temperatur Tc eine ausreichend lange Zeitspanne, um den Rotor kontrolliert abzubremsen. Gerade bei
Schwungmassenspeichern mit sehr großen Energieinhalten wird damit eine Erhöhung der Sicherheit erreicht.
Unmittelbar nach dem Ende des Energieausfalls kann die Maschine wieder angefahren werden, eine zusätzliche Wartung
wird nicht erforderlich. Anders als bei aktiven Magnetlagern, bei denen der Rotor mit voller Drehzahl in die Fanglager
fällt, die durch die plötzliche Beschleunigung einem extrem hohen Verschleiß unterliegen und daher eine
sehr begrenzte Lebensdauer haben.
Ein weiterer Vorteil von Magnetlagern ist, dass der Betrieb ohne Schmierstoffe erfolgt und verschleißfrei ist, was
gerade unter Reinstraum- und Vakuumbedingungen wichtig ist. Die Verschleißfreiheit und die damit für das Lager
nicht anfallenden Reibungsverluste sowie die Wartungsarmut müssen allerdings unter dem Gesichtspunkt der für
den Betrieb notwendigen Zusatzaggregate für Kühlung und Vakuumisolation betrachtet werden. Hier müssen je
nach Anwendungsfall die Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen werden. Werden die Lagerungen dagegen in einer
ohnehin kryogenen Umgebung betrieben, wie z.B. in Pumpen oder Tanks für tiefkalte Flüssigkeiten, erhält
man die Kühlung der HTSL ohne den Einsatz von Zusatzaggregaten.
Gegenüber aktiven Magnetlagern sind SMB resistent gegenüber elektromagnetischen Feldern, die in der
EMV-sensitiven Regelelektronik aktiver Lager schnell zu Störungen und damit zu unkontrollierten Bewegungen,
schlimmstenfalls zum Absturz des Lagers führen können.
2 ANWENDUNG
Im folgenden soll exemplarisch eine Turbomaschine mit SMB betrachtet werden. Sie besteht aus einem Läufer mit zwei Laufrädern (Axialschubausgleich) und einem Antriebsmotor, der in zwei zylindrischen HTSL-PM-Lagern läuft ( Abb. 1a ).
3 BELASTUNGEN
Im Betrieb treten folgende Belastungen auf:
Um diese Belastungen zu simulieren, wurde am IMAB ein Prüfstand für statische und dynamische Kraftmessungen
entworfen. In diesen sind zwei Exemplare des in Abb. 1b dargestellten Lagerprototypen
integriert. Die Lager tragen eine Welle, auf der sich die Läufer von zwei radialen und eines axialen
elektromagnetischen Aktuators sowie der eines Motors befinden. Die Aktuatoren sind konzipiert für statische,
periodische und stochastische Erregungen, sodass beliebige Lastspiele einer Anwendung simuliert werden können. Die
Kraftmessung erfolgt mittels Piezo-Sensoren, die sowohl an den Lagern als auch an den Aktuatoren angebracht sind.
In Abb. 2a und Abb. 2b ist der Prüfaufbau dargestellt.
Er besteht aus einem Fundament auf dem alle Komponenten befestigt sind. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass trotz
des modularen Aufbaus eine exakte Ausrichtung gewährleistet ist.
4 AUFBAU DES LAGERS
Das Erregersystem des Lagers ist in Sammlerbauweise ausgeführt und besteht aus sechs axial magnetisierten
Ringmagneten und dazwischen liegenden Eisenringen als Sammelpole ( Abb. 1b ). Im
magnetischen Luftspalt befindet sich die Gehäusewandung aus GFK und eine thermische Isolation aus mehreren
Schichten Isolationsfolie. Der Rest verbleibt für den mechanischen Luftspalt. Um die Isolation herum liegt der
HTSL, der von einem Kupferrohr umschlossen ist, das für eine gleichmäßige Temperaturverteilung und
zusätzlich für eine mechanische Stabilisierung des HTSL-Rohrs sorgt. Unmittelbar an diesem Rohr sind vier
Kraftsensoren befestigt, jeweils zwei in der Horizontalen und zwei in der Vertikalen. Durch diese direkte Ankopplung
erreicht man eine sehr steife Verbindung und damit eine Kraftmessung, die nicht von der Konstruktion der
Lagergehäuse abhängig ist. Aber nicht nur die Sensoren sind im kryogenen Teil des Lagers untergebracht sondern
auch die Ladungsverstärker, so dass beim Herausführen der Signale aus dem Vakuum eine Verminderung der
Signalqualität vermieden wird.
Die Kühlung der HTSL erfolgt mit einer einstufigen Stirling-Kältemaschine, die über eine flexible
Kupferlitze mit dem die HTSL umgebenden Kupferrohr verbunden ist. Die Kühlung mit einer Kältemaschine ist im
Vergleich zu einer Kühlung mit flüssigem Stickstoff wesentlich unkomplizierter und anwendungsfreundlicher in
der Handhabung. Die für den Prüfstand eingesetzten Kältemaschinen erzielen bei einer Temperatur von
T = 75K eine Kälteleistung von Pc=15W bei einer Antriebsleistung von
Pel = 500W.
Durch eine am Kaltkopf der Stirling-Maschine befestigte Kryo-Vakuumpumpe aus Aktivkohle, wird für den Betrieb keine
dauerhaft eingeschaltete Vakuumpumpe benötigt, die für den Erhalt des isolierenden Vakuums sorgt. Damit
vermeidet man störende Vibrationen durch die Vakuumpumpe während der Messung.
5 LAGERDATEN
Für die Auslegung müssen folgende Lagerdaten im Betriebspunkt bekannt sein:
Für die in Abb. 1b dargestellte Lagergeometrie ergibt sich im Arbeitspunkt eine
berechnete statische Tragkraft von Fy = 483N und eine Steifigkeit von
ky = 309N/mm. Da SMB keine nennenswerten Dämpfungseigenschaften aufweisen, wird in der
Anwendung eine zusätzliche Dämpfung z.B. in Form eines Quetschöldämpfers oder metallischer
Schäume erforderlich.
Benötigt man bei gleicher Lagergeometrie höhere Werte für Tragkraft und Steifigkeit, als mit dem
Vorspannweg der durch das Eigengewicht des Rotors erzeugten Auslenkung erzielt werden kann, muss man für die
Aktivierung neue Wege beschreiten. Am IMAB wurde ein Methode entwickelt, die es erlaubt, verschiedene Vorspannwege bei
Beibehaltung der Rotorlage einzustellen (Abb. 3).
Dies ist vor allem für Anwendungen notwendig, die keine Veränderung der Rotorlage erlauben, wie es meist
bei Turbomaschinen mit kleinen Spaltmaßen der Fall ist. Die Aktivierung der Lager erfolgt also nicht durch eine
Verlagerung der Rotorachse, sondern durch eine Bewegung der Lagerschalen relativ zum Rotor. Die Lagerbauweise mit
geteiltem HTSL-Rohr ermöglicht es zugleich, für den oberen und unteren Lagerteil getrennt den optimalen
Vorspannweg und Arbeitsluftspalt einzustellen. Damit können für die Zugkraft (oben) und die Levitationskraft
(unten) maximale Werte bei gleichem Erregersystem erzielt werden, obwohl die Optima bei verschiedenen Luftspalten
liegen.
Der im Aufbau befindliche Prüfstand am IMAB hat die notwendige Ausstattung, um diese Vorgänge zu simulieren.
Die Messergebnisse werden Aussagen darüber liefern, wie groß die Einflussnahme mittels der Temperatur maximal
ist, bezogen auf die hier untersuchte zylindrische Lagertopologie.
6 SCHLUSSFOLGERUNGEN
Die bisher vorgenommenen Untersuchungen zum Einsatz von SMB zur Lagerung von Rotoren haben gezeigt, dass es sich
dabei um eine zwar aufwendige aber gerade für bestimmte Anwendungsfälle um eine sehr vielversprechende Technik
handelt. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Aktivierung der Lager. Ein erster Ansatz für eine
anwendungsbezogene Aktivierung wurde beschrieben.
Vor allem auf dem Gebiet der HTSL schreitet die Entwicklung stetig voran, sodass mit ständig steigenden Werten
hinsichtlich Tragkraft und Steifigkeit der Lager gerechnet werden kann.